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im bayerischen Landesjagdverband

Radiocäsium-Messstation

Die Messstation in Konradshofen wurde am 11.10.2004 eröffnet.

Ingrid und Manfred Weber – Gasthof Hubertus
Hauptstraße 47
86872 Konradshofen
Tel.-Nr. 08204-303
Email: info@Hubertus-Konradshofen.de

Messtermine:
Montag, Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 17.00 – 20.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung

Für die Untersuchung werden ca. 500 g Muskelfleisch in Gulaschgröße benötigt. Bitte in einer Frischhaltebox oder in einem undurchsichtigen Beutel anliefern. Keine Innereien, auch kein Herz oder Zunge abgeben. Das Fleisch erhalten Sie nach der Messung zurück. Die Kosten pro Messung betragen 5,00 €.

 

Das Messprotokoll bitte zwei Mal ausfüllen und mitbringen (Download Messprotokoll) dokumentiert die exakten Werte.

Die Höchstegrenze für genusstaugliches Wildbret liegt bei 600 Bq/kg. Ist die Probe höher belastet, muss der Wildkörper beseitigt werden.

2. Messstation


nach telefonischer
Vereinbarung
Manfred Pösl
Anton-Maurer-Strasse 1
86830 Schwabmünchen
Tel.Nr. 08232-72427
Mobil: 0176-74797577

Warum Radiocäsium-Messungen durchgeführt werden

Belastung von Wildbret mit Radiocäsium

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl im April 1986 wurde neben vielen Teilen Europas, auch Süddeutschland durch den radioaktiven Fall-Out kontaminiert. Dabei wurde der Landkreis Augsburg im Vergleich zu den angrenzenden Landkreisen besonders stark betroffen.
Über die Äsung und Atemluft nahmen auch Wildtiere die Radionuklide auf, wobei es sich im Wesentlichen um die Cäsium-Isotope 137 und 134, sowie um Jod 131 handelte. 
Während die Jodkontamination durch die kurze Halbwertzeit des Isotops von ca. 8 Tagen innerhalb einiger Wochen abnahm und nur vorübergehend problematisch war, war und ist die Radiocäsium-Belastung des Wildbrets, vor allem mit CS-137 (Halbwertzeit 30,2 Jahre) immer noch relevant.

Auch 24 Jahre nach dem Super-Gau von Tschernobyl wird in Bayern noch immer verstrahltes Wild erlegt. Vor allem das Schwarzwild ist mit dem radioaktiven Cs-137 teilweise so stark kontaminiert, dass es als Sondermüll entsorgt werden muss. 
Die Höhe der Radiocäsium-Belastung lässt sich in Relation zum Lebensraum und der Niederschlagsaktivität zu jenem Zeitraum setzen, in dem die radioaktiven Luftmassen Bayern überquerten. 

Anfangs wurden beim Rehwild die höchsten Cs-137 Aktivitäten festgestellt, was auf die spezielle Nahrungswahl zurückzuführen ist. Sie bevorzugen neben Kräutern auch frische Knospen und Triebe als Äsung, die Ende April – Anfang Mai bereits reichlich vorhanden waren. Diese waren durch den direkten radioaktiven Fall-Out stark kontaminiert.
Zu diesem Zeitpunkt zeigten Wildarten wie z.B. das Schwarzwild, bedingt durch ihr Äsungsspektrum, selbst in höher belasteten Lebensräumen eine deutlich geringere Radiocäsium-Belastung als das Rehwild. 
Das änderte sich mit den ab dem 30. April 1986 einsetzenden starken Regenfällen.
Die an den Bäumen und Pflanzen haftenden und in der Luft schwebenden Radionuklide wurden mit Regenwasser in die Biosphäre bzw. den Boden eingebracht, radioaktiver Wash-Out.
Radio-Cäsium wird im Waldökosystem von organischen Substanzen reversibel gebunden, was bedeutet, dass speziell Pilze und bedingt Pflanzen heute noch hohe radioaktive Belastungen aufweisen können.
Aufgrund der langen Halbwertzeit von 30,2 Jahren liegen heute noch ca. 60 % der vor 21 Jahren ermittelten Cäsium 137-Mengen im Boden. Erst nach 100 Jahren wird sie auf 10 % gesunken sein.

Die Verteilung von Cäsium im Boden hängt grundsätzlich von der Bodenbeschaffenheit ab. So bleibt das Cäsium in Wald- und Moorböden besonders lange, teilweise über Jahrzehnte erhalten. Nadelwälder speichern dabei intensiver als Laubwälder. Auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist aufgrund der Bodenbearbeitung die Cäsium-Konzentration unter ein nennenswertes Maß gesunken. Durch die in Pflugschartiefe durchmischten Böden ist das Cäsium dem biologischen Kreislauf entzogen.

Die chemische Verwandtschaft von Radio-Cäsium und dem lebenswichtigen Kalium ist der Grund für die Tatsache, dass vor allem Pflanzen und Pilze mit hohem Kaliumgehalt Radiocäsium aus dem Boden aufnehmen und speichern können.
So wird besonders den Pilzen eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme von Radiocäsium aus dem Boden zugesprochen. Bei den Pilzen steht hier der Hirschtrüffel an erster Stelle.
Unter den höheren Pflanzen sind besonders Brombeere und Waldklee zu erwähnen.

Die Radiocäsium-Aufnahme im Schwarzwildorganismus erfolgt durch die Nahrungsaufnahme, wobei eine entscheidende Rolle spielt wo die Nahrung aufgenommen wird. In Gebieten mit vorwiegend Nadelwald und einer hohen Niederschlagsquote Ende April 1986 werden die Messwerte signifikant höher sein als auf Feldfluren in Niederschlagsrandgebieten. 
Das Alter und Gewicht des Schwarzwildes muss ebenfalls berücksichtigt werden. Da der Stoffwechsel bei Jungtieren und alten Sauen erheblich differieren kann, ist die Aufnahme und Verteilung des Radiocäsiums im Schwarzwildorganismus unterschiedlich.

In Gebieten in denen der Hirschtrüffel in besonderem Maße wächst, wird die Kontamination des Wildbrets von Schwarzwild besonders hoch sein.
Die Hirschtrüffel ist ein unterirdisch wachsender Pilz, dessen Fruchtkörper walnussgroß werden können. Seine besondere Fähigkeit Radiocäsium anzureichern, lässt ihn eine entscheidende Rolle bei der Suche nach der Kontaminationsquelle spielen.

Bei der vergleichenden Untersuchung von Steinpilzen, Maronenröhrlingen und Hirschtrüffeln, die nur wenige Meter voneinander entfernt wuchsen, stellte sich heraus, dass bei gleicher Menge der Radio-Cäsium-Gehalt beim Hirschtrüffel bis zu einer 10er-Potenz höher war.

So lässt sich auch erklären, warum bei Erlegung mehrere Wildschweine aus einer Rotte, die Radiocäsium-Belastung stark differieren kann.

Als Fazit aus den unterschiedlichsten Untersuchungen und Studien zum Thema Radiocäsium-Belastung beim Schwarzwild lässt sich abschließend sagen: Die Vielfalt der unterschiedlichen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Verhältnis Laub-/Nadelwald und Feldflur, Alter und Konstitution des erlegten Schwarzwildes, Erlegezeitpunkt, Sommer-Winter-Äsungsangebot usw., die die Kontamination von Wildbret beeinflussen lassen auch in Zukunft viele Fragen offen.

Wir Jäger werden sicher noch etliche Jahre Messungen von Wildbret vornehmen lassen müssen, um unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitbürgern gerecht zu werden.

Quellenverzeichnis:
Forschungsbericht U. Hohmann und D. Kuschlag, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz
Umweltlexikon, Archiv RUB Radioaktivität/Tschernobyl
Dr. Frieda Tataruch, Forschungsinstitut Wildtierkunde und Ökologie vet. Med. Uni Wien